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Gen-Soja

 

 

 

 

 

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Gen-Soja und die Folgen

Eigentlich gibt es an der Sojabohne nicht mehr viel zu verbessern. Rund 3000 verschiedene Sorten wurden bisher gezüchtet, um die Pflanze anzupassen an trockene Böden, raueres Klima, längere Tageszeiten und all die anderen unterschiedlichen klimatischen und geologischen Bedingungen in den einzelnen Anbauländer. Das die Pflanze dennoch in das Visier der Gentechniker geraten ist, verdankt sie ihrer enormen wirtschaftlichen Bedeutung. Die großen weltweit operierenden Saatgutkonzerne sehen in genmanipulierten Sojabohnen eine Möglichkeit, die Landwirte noch enger an sich zu binden und Geschäfte zu machen. 

So wurde die unscheinbare Hülsenfrucht zur ersten, weltweit im großen Stil vermarkteten Gen-Pflanze. Mit den ersten Frachtern, die 1996 Gen-Soja nach Europa brachten, wuchs aber auch der Widerstand gegen Essen aus dem Gen-Labor. Heute lehnen 70 Prozent der Menschen in Deutschland genmanipulierte Lebensmittel ab und fordern ein Verbot entsprechender Importe. Zum ersten Mal gehen im Jahr 2000 die bislang rasant gestiegenen Anbauflächen für Gen-Soja wieder zurück. Ob die Entwicklung in diese Richtung weiter geht ist eher ungewiss.

Die Labor-Bohne

RRS nennt sich abgekürzt, die Round Up Ready Soybean des Konzern Monsanto. Ihren Namen trägt sie, weil sie gegen das Breitband-Herbizid Round Up des gleichen Konzerns resistent gemacht wurde. Dessen Wirkstoff Glyphosat macht, auf den Acker ausgebracht, alles Grün nieder, alles - bis auf die dagegen unempfindliche RRS. So wächst die Bohne auf einem unkrautfreien Acker heran. Der Farmer erspart laut Hersteller seinem Geldbeutel und der Umwelt weitere Pestizidduschen, die ansonsten notwendig wären. Und Monsanto kann Saatgut und Pestizid gewinnbringend im Paket verkaufen.

Im Frühjahr 1996 bauten US-Farmer erstmals die neue Bohne an, im Herbst des gleichen Jahres folgten die ersten argentinischen Landwirte. Die EU erlaubte die Einfuhr von Gen-Soja und im November 1996 legte der erste Frachter in Hamburg an. Seit dem hat sich der Import vervielfacht und da die großen Ölmühlen bisher nicht bereit sind, Gen-Bohnen und gentechnikfreie Ware getrennt zu verarbeiten, müssen die Verbraucher davon ausgehen, dass konventionelle Sojaprodukte und vor allem das aus dem Schrot gewonnene  Tierfutter in vielen Fällen auch genmanipulierte Bohnen enthalten.

Folgen für die Gesundheit

Welche Auswirkungen genmanipulierte Pflanzen, insbesondere Sojabohnen, auf die menschliche Gesundheit haben, ist ungeklärt. 

Ein Problem sind die Antibiotikaresistenzen, die diese Pflanzen, die diese Pflanzen zusätzlich enthalten. Sie dienen dazu, erfolgreich manipulierte Pflanzen zu erkennen, weil nur diese eine Behandlung mit diesen Wirkstoffen unbeschadet überstehen. Ein Teil der Substanzen wird auch in der Medizin zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten eingesetzt. Eine Übertragung der Resistenzen auf Bakterien, die auch den Menschen gefährlich werden können, ist im Prinzip möglich. 

Viele, auch genkritische Fachleute, halten die Anwendung von Antibiotika in der Tiermast jedoch für das größere Problem.

Vergessene Folge: Gen Soja im Tierfutter

Das Tierfutter: 3,5 bis 3,9 Millionen Tonnen Soja und schon bald, aufgrund des Tiermehl-Verbots etwa 50 Prozent mehr, verarbeiten die deutschen Ölmühlen jährlich. Der größte Teil davon, knapp 80 Prozent, wird als Sojaschrot an Rinder, Schweine und Hühner verfüttert. Wegen der üblichen Vermischung dürfte die gesamte Menge mehr oder weniger hohe Anteile an Gen-Soja enthalten. Etwa zwei Drittel des Eiweißbedarfs in der konventionellen Tiermast und Milchkuhhaltung wird nach Schätzungen von Greenpeace derzeit mit Soja gedeckt. 

Millionen Kühe, Schweine und Hühner finden somit täglich genmanipulierte Zutaten in ihrem Futtertrog. Und das nicht als Dessert, sondern als Hauptgericht. Deklariert werden muss Gen-Soja nicht, sodass der Landwirt nicht sicher sein kann, was er seinen Tieren in den Trog schüttet. Im Fleisch oder der Milch als Endprodukt sind die Genpflanzen nicht mehr nachweisbar. Trotzdem können sie Risiken mit sich bringen. 

 

Politik ohne Folgen

Im Prinzip wird der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft von allen Staaten in der EU befürwortet. Wegen der lautstarken Verbraucherproteste sind die nationalen Regierungen und die EU-Kommission jedoch vorsichtiger geworden. Das Trauerspiel um die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel zeigt jedoch, welchen geringen Stellenwert sogar die selbstverständlichsten Maßnahmen des Verbraucherschutzes haben.

Die im Mai 1997 erlassene Novel-Food-Verordnung galt zuerst nicht für Soja. Erst im September 1998 wurde die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Zutaten aus Gen-Soja EU-weit geregelt. Doch die Verordnung hat Lücken.

Ein Hinweis muss nur dann auf die Verpackung, wenn der gentechnisch veränderte Organismus im fertigen Lebensmittel nachgewiesen werden kann. Viele Zutaten aus Sojabohnen sind jedoch bei der Herstellung und Verarbeitung so hohen Temperaturen und aggressiven Chemikalien ausgesetzt, dass die entsprechenden Eiweiße zerstört werden und ein Nachweis, ob Gen-Soja eingesetzt wurde, nicht mehr möglich ist. In der Praxis bedeutet dies, dass zum Beispiel raffiniertes Gen-Sojaöl in Margarine und Backwaren oder Würze aus hydrolisiertem Gen-Sojaeiweiß in Brühwürfeln und Fertiggerichten nicht deklariert werden müssen. Auch bei Aromen, Glyceriden oder Vitamin E, die aus der Sojabohne gewonnen werden, ist der Nachweis nach Meinung von Fachleuten nur schwer möglich. 

Hinter Bezeichnungen wie pflanzliche Öle und Fette, Würze oder pflanzliches Eiweiß kann sich also Gen-Soja verbergen, ohne das dies deklariert werden muss.

Angegeben werden muss die Genmanipulation, weil nachweisbar, wenn die Bohnen für Tofu und Sojadrinks oder Mehl eingesetzt werden. Auch der Emulgator Lecithin und je nach Verarbeitung auch Eiweißkonzentrate aus gentechnisch veränderten Sojabohnen müssen deklariert werden. In der Praxis halten sich nicht alle Hersteller daran. Immer wieder werden in Untersuchungen von Verbraucherorganisationen, Umweltverbänden oder staatlichen Stellen Zutaten aus Gen-Soja nachgewiesen, ohne das diese mit dem Zusatz "aus gentechnisch modifiziertem Soja" gekennzeichnet waren. Zurzeit droht für solche Verstöße mangels Vorschrift keine Strafe. 

Erlaubt sind zudem Verunreinigungen in der jeweiligen Zutat bis zu einem Prozent. Dazu kann es kommen, wenn Gen-Bohnen und gentechnikfreie Ware nicht sauber getrennt werden. Umweltverbände halten diesen EU-Grenzwert für zu hoch, weil er auch unnötige Vermischungen erlaube, die mit Sorgfalt und technischem Aufwand vermeidbar wären.

Als Flop hat sich bisher die seit Herbst 1998 in Deutschland mögliche Kennzeichnung gentechnikfreier Produkte erwiesen. Bis heute haben Lebensmittelhersteller wegen der umständlichen Prozedur davon kaum Gebrauch gemacht.

Der größte Teil der konventionellen Sojaprodukte enthält somit wahrscheinlich einen Anteil Gen-Soja. Die Nachfrage nach gentechnikfreien Soja-Rohstoffen übersteigt offenbar das Angebot. Durch das Verbot der Tiermehl Verfütterung in der Landwirtschaft wird die Nachfrage noch mehr steigen. Außerdem haben vermutlich einige große Lebensmittelhersteller etwa beim Sojalecithin gentechnikfreie Bestände aus früheren Ernten aufgekauft. Es dürfte daher vielen Unternehmen schwer fallen, auf Zutaten aus Gen-Soja vollständig zu verzichten.

Gentechnische Verfahren sind bei der Herstellung von Enzymen, Vitaminen, Aromen und Zusatzstoffen längst etabliert. Die Verzichtserklärung von Handel und Herstellern klammert diesen Anwendungsbereich mehr oder weniger bewusst aus.

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Stand: 19. Februar 2008
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