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Hightech- und Pharma-Food

Konzerne wie BASF sehen ihre Chancen auf den gigantischen Nahrungsmärkten in den Industrieländern. Ziel ist es, möglichst die gesamte Ernährungskette vom Acker bis zum Teller mit Industrieprodukten zu beliefern. Schon jetzt stammen 75 Prozent aller Lebensmittel, die in Deutschland für rund 400 Milliarden Mark pro Jahr verzehrt werden, nicht direkt vom Bauern, sondern durchlaufen industrielle Veredelungsprozesse.

Dahinter verbergen sich teils unappetitliche Veredelungstechniken: Künstlicher Vanillegeschmack wird gern aus Sulfit-Ablaugen der Papierindustrie gewonnen. Mit Rückständen aus industrieller Rauchgasreinigung lassen sich auch Würstchen "räuchern". Und Cystein, aus chinesischen Menschenhaaren extrahiert, verleiht Industriebrötchen verführerischen Backofen-Duft - aber wen kümmert das, wenn er am Sonntag seine frischen Backwaren an der Tankstelle abholt?

Damit der Anteil von Hightech-Food weiter wächst, rücken Unternehmen aus Agrarproduktion, Lebensmittel- und Pharmaindustrie enger zusammen. Den Saturierten bieten sie sich als Samariter an: Eine Mischung aus Lebensmittel und Medikament, im Management-Jargon Nutraceuticals genannt, soll den Verwöhnten die Zivilisationskrankheiten austreiben. In den Schweizer Entwicklungslabors des weltgrößten Lebensmittelkonzerns Nestlé brodelt der Pharma Food der Zukunft: Joghurts gegen Dickdarmkrebs, Schokoriegel gegen Osteoporose und Eiscreme ohne Fett.

Verbraucherschützer und Ernährungsexperten halten Probiotika eher für einen Marketing-Clou, mit dem ein uraltes und spottbilliges Lebensmittel namens Joghurt mit vollmundigen Versprechungen gewinnbringend vermarktet wird.

 "Allein die Vielfalt der Wirkungen, die den Probiotika zugesprochen wird, lässt den Verdacht aufkommen, dass hier beim Verbraucher unrealistisch hohe Erwartungen an den gesunden Effekt geweckt werden sollen. Für keine der vermuteten Eigenschaften gibt es klare wissenschaftliche Evidenz", urteilt Michael Blaut, Professor für Mikrobiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung im brandenburgischen Bergholz-Rehbrücke.

Viele Aussagen beruhen auf Experimente im Reagenzglas und damit auf einer künstlichen herbeigeführten Situation, die mit dem Ökosystem Darm kaum zu vergleichen sei. So wollen Forscher der Fond-Industrie nachgewiesen haben, ihre "probiotischen" Isolate verdrängten krank machende Enterokokken und Salmonellen. Unsere Darmkeime sind jedoch auch ohne den Verzehr von probiotischen Lebensmitteln sehr gut in der Lage, sich zu helfen.

"Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es überhaupt wünschenswert ist, die Darmflora eines gesunden Menschen durch externe Zufuhr von Laktobazillen zu modifizieren", sagt Michael Blaut.

Allerdings bewirken die etwa 100 Millionen Industriebakterien aus einem Joghurtbecher ohnehin so gut wie nichts unter den vielen Billionen natürlichen Darmbakterien. Das wäre so, als kippte man ein Glas Wasser in ein volles 25-Meter-Schwimmbecken.

Zudem haben die alteingesessenen Milchsäurebakterien ihren Job in jeden Fall besser gelernt als die Stämme der Food-Designer. Die Lebensbedingungen in einem Menschen sind so individuell, dass in jedem eine speziell angepasste Flora entstanden ist. In ihr haben sich die residenten Laktobazillen bestens eingeführt und lassen sich nicht von der Konkurrenz aus der Industrie verdrängen.

Das haben Untersuchungen an Probanden bewiesen. Kaum waren die "probiotischen" Keime verschluckt, durcheilten sie geschwind Magen und Darm und endeten im Stuhl. Kommen sie da nicht her? Die Probiotika-Hersteller vermeiden es, die köstliche Herkunft ihrer Kulturen preiszugeben und sprechen nebulös von Spezies aus dem Gastrointesinaltrakt. Wenigstens ein Hersteller in Japan besaß die Größe mitzuteilen, woher die probiotischen Keime kommen, die wir alle essen sollen: aus den Windeln gesunder Babys.

siehe auch: Leben auf dem Menschen - Die Geschichte unserer Besiedler

Soll so die Ernährung unserer Zukunft aussehen?

Die Aufgabe auf Erden ist zwiespältig: Die einen essen zu viel und ungesund - sie brauchen Lebensmittel mit einer Extraportion Gesundheit. Die anderen - rund 800 Millionen Menschen - leben am Rande des Verhungerns und bebauen karge, ausgemergelte Böden. Sie brauchen neuartige, wiederstandsfähige Pflanzen, die in Dürrezonen und Notfall auf versalzener Krume gedeihen.

Es muss also immer mehr und immer bessere Nahrung her. Denn Über- und Unterernährte in der Welt - bei beiden Gruppen geht es um je etwa 1,2 Milliarden Menschen - sind durch Gemeinsamkeiten verbunden: Beide teilen das Schicksal von Krankheiten, Behinderung und kürzere Lebenserwartung und sind ein Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes.

Von den derzeit 1,2 Milliarden Unterernährten sterben die meisten nicht am Hunger, sondern an Krankheiten, die Folge mangelnder Ernährung sind. Täglich raffen diese eigentlich leicht zu bekämpfenden Seuchen 34.000 Kinder dahin - 12 Millionen in jedem Jahr.

Verhungern müsste bei der Gesamtproduktion an Lebensmitteln eigentlich niemand auf der Welt, so die Deutsche Welthungerhilfe.

Seit 1945 hat urbares Land von der Größe Lateinamerikas an Fruchtbarkeit deutlich verloren. Jedes Jahr schrumpft die Ackerfläche um weitere fünf bis sieben Millionen Hektar. Zwar gewinnt der Mensch - meist durch Brandrodung - riesige Flächen neues Ackerland hinzu. Doch die werden zumeist für den Anbau von Futtermitteln verwendet, zum Mästen von Rindern, Schweinen und Hühnern. Für ein Kilogramm menschliche Nahrung werden annähernd 20 Kilogramm Tierfutter verbraucht.

Jedes einzelne der über 1,3 Milliarden Rinder auf der Erde verfrisst so viel Energie wie ein Mittelklasseauto. Das Gewicht der Rinder übersteigt das aller sechs Milliarden Menschen - der Hauptteil der Fleischproduktion landet in den ohnehin wohlgenährten Bäuchen der Reichen.

Auch vom Fisch bleibt den Hungernden kaum etwas übrig: 3,5 Millionen Fischerboote stechen jeden Tag in See. 60 Prozent aller großen Fanggebiete sind an den Grenzen ihrer Ausbeutungsmöglichkeiten. Aus den Fischnetzen landet jedoch ein Drittel, insgesamt 30 Millionen Tonnen, zu Fischmehl verarbeitet in den Trögen industrieller Fleischmastbetriebe. Die Gefräßigen holen es bei den Bedürftigen.

Das lässt sich auch aus Handelsbilanzen herauslesen. Brasilien, einer der weltgrößten Exporteure von Agrarprodukten, führt Unmengen von Sojabohnen aus, die Reisproduktion zur Ernährung der eigenen Bevölkerung fiel in den neunziger Jahren um 18 Prozent.

Ist das Welternährungsproblem in Wahrheit nur ein Verteilungsproblem?

Den großen Schlag gegen Versorgungsengpässe in aller Welt versprechen die global operierenden Nahrungsmittelkonzerne zu führen, hauptsächlich mit Hilfe der Gentechnik. Das Misstrauen vieler Entwicklungshelfer ist ihnen sicher: Die Firmen lassen sich Gentech-Züchtungen patentieren und treiben die Saatgutpreise in die Höhe. Künftig wollen sie ihre Pflanzen mit einem so genannten Terminator-Gen sterilisieren. Die Frucht kann danach nicht wieder ausgesät werden.

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Stand: 19. Februar 2008
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